ID-Theorie

Eine kritische Auseinandersetzungen mit ID  

 
Martin Mahner (*1) kritisiert ID wie folgt:
 
"Ziel der internationalen ID-Bewegung ist ganz klar die Re-Christianisierung von  
Wissenschaft und Kultur. Auf diesem Wege wäre ein zunächst allgemeiner Planer  
sozusagen der Fuß in der Tür der Wissenschaft, um sie dann weiter in Richtung  
Religion aufzustoßen. ID-Vertreter sprechen ja nicht von ungefähr von einer Keil-
Strategie (mehr dazu in Waschke 2003; Kutschera 2004). So steuert man also auf der  
einen Seite einen erzkonservativen Re-Christianisierungskurs, sobald man jedoch  
kritisiert wird, zieht man sich schnell darauf zurück, es gehe einem lediglich um einen  
ganz unspezifischen intelligenten Planer im Allgemeinen. Auf diese Weise kann man  
Kritik an den übernatürlichen Komponenten von ID abwenden, und das, was man tut,  
zugleich als Wissenschaft ausgeben, weil es angeblich nicht supranaturalistisch  
kontaminiert ist. Schließlich kann man denjenigen, der die religiöse  
Hintergrundmotivation der ID-Vertreter ins Spiel bringt, des Ad-hominem- und des  
Strohmann-Arguments bezichtigen. Diese Taktik bringt also alle Vorteile der Kritik-
Immunisierung mit sich."
 
Eigentlich beleidigt Mahner die Gemeinde der Wissenschaftler, indem er ihr zutraut, sie  
würde sich von Scheinargumenten der ID-Anhänger irreführen lassen. Die Realität zeigt  
doch ein ganz anderes Bild. Jeder Darwinist ist zugleich auch ein Idealist und verteidigt  
seinen Glauben an die Evolution wie andere Gläubige ihren Glauben auch. Die  
Bildungsstätten Deutschlands erlauben auch keine alternativen Ansichten, also für die  
Re-Christianisierung scheint in der Realität gar kein Platz zu sein.
 
Glaubt Herr Mahner wirklich, dass die ID-Vertreter so naiv sind, ein solches Projekt der  
Re-Christianisierung der Wissenschaft zu starten. Die Realität sieht auch auf Seiten  
der ID-Vertreter anders aus. Sie haben das Ziel, eine wissenschaftliche Diskussion über  
die Herkunft und das Werden des Lebens zu führen  - und zwar so lange, bis diese  
Frage hinreichend geklärt sein wird. Wie ein solches Ergebnis zu stande kommen kann,  
ist zur Zeit noch nicht völlig klar. Die wissenschaftlich-technischen Voraussetzungen  
sind jedoch heute so günstig wie noch nie. Falls die Entstehung des Lebens für den  
Planeten Erde naturalistisch einwandfrei geklärt werden könnte, dann wird ID seine  
Position verloren haben (*2). Die Vertreter der naturalistischen Position sollten sich  
jedoch in einer ruhigen Minute auch einmal die Frage stellen, wie sie auf ihre  
Selbstorganisations-Thesen zurückblicken, falls sich die ID-Theorie bewahrheiten  
würde.
 
Die Wissenschaft lässt sich zum Glück von dem ideologischen Streit nicht beirren und  
forscht weiter (*3). So könnte es vielleicht schon in naher Zukunft zu einem Durchbruch  
kommen, der die Streitfragen entschärfen kann. Das ist sicher der bessere Weg auch  
für die aktuellen Probleme, die Herrn Mahner so beschäftigen. Für die Gegenwart  
könnte man daraus ableiten: Falls ID in der Wissenschaft einen Platz erhält, dann  
sicher nur, wenn dadurch ein Nutzen entsteht - andernfalls wird sich diese Position von  
selbst erledigen, wie bereits oben beschrieben.
 
Der Vorwurf, dass diejenigen, die eine ID-Position vertreten, oft eine christliche  
Weltanschauung haben, ist zwar berechtigt, doch was soll damit denn gesagt werden?  
Es ist eine Tatsache, dass viele aktive Wissenschaftler eine christliche  
Weltanschauung besitzen und dennoch hervorragende Wissenschaftler sein können -  
ganz einfach, weil es keine Probleme gibt, als Wissenschaftler auch Christ zu sein. Viel  
zu wenig wird dagegen hinterfragt, wie sich eine naturalistische Ideologie bei den  
einzelnen Wissenschaftlern auswirken könnte. Es gibt nämlich eine Reihe aufwändiger,  
teurer Forschungsarbeiten, die allein den einen Sinn erfüllen, Methoden zu finden, wie  
mit den gegenwärtig verfügbaren Mitteln die Biogenese erklärt werden könnte. Oder  
sind sie vielleicht geneigt, Daten so zu manipulieren, dass sie den Erwartetungen  
entsprechen? Daten werden immer öfter gefälscht, worüber auch berichtet wird, wenn  
das bekannt wird.
 
Aufgrund der Mängel der Evolutions-Theorie ist es angebracht, darüber zu debattieren.  
In solchen Diskussionen wirft der Anhänger des Naturalismus seinem Gegenüber  
grundsätzlich vor, dessen Argumente seien auf eine transzendente Fiktion gegründet.  
Auf diese Weise wurden noch vor wenigen Jahren alle Diskussionen abgebrochen -  
immer die gleiche Taktik der Naturalismus-Anhänger. Es war daher zwingend  
erforderlich, genau dieses Argument der Naturalismus-Anhänger zu entschärfen - was  
durch die ID-Theorie möglich geworden war. In sofern hat Mahner schon Recht.
 
Als sich die ID-Theorie etablierte, nahmen die Anhänger des Naturalismus diese zur  
Kenntnis und eröffneten die Gegenargumentation mit der Frage, wer denn der Designer  
sei, wo er wohne und weiteren Fragen, die man sich ausdenken kann, um zu  
beleidigen.  Doch auch diese Fragen dienten keinem anderen Zweck, als jede  
Diskussion abzuwürgen. Eine wissenschaftliche Streit-Kultur sieht ganz anders aus -  
immerhin meldeten sich keine Laien zu Wort!
 
Auf dieser Web-Site wird die ID-Position vertreten. Von besonderer Bedeutung ist,  
klarzustellen, dass es bei der geforderten wissenschaftlichen Debatte nur um die  
Herkunfts-Frage des Lebens auf der Erde geht. Eine andere Frage zu beantworten sind  
wir Menschen zur Zeit nicht in der Lage!
 
Auf der Grundlage der Annahmen der Anhänger des Naturalismus folgt, dass eine  
Vielzahl von Planeten mit intelligenten Leben in den Galaxien existieren - insbesondere  
nachdem Astronomen fast wöchentlich neue Planeten in ihren Teleskopen registrieren.  
Nun ist es ein kleiner Schritt zu der Überlegung, dass genau irgend eine dieser  
extraterrestrischen Intelligenzen bei der Entstehung der irdischen Biosphäre mitwirkte  
und darüber hinaus die Evolution des Lebens planend lenkte. Dieses Szenario ist nicht  
realitätsfremd - auch wenn das immer noch behauptet wird.
 
Tatsache ist, dass in dem soeben kurz beschriebenen Szenario keine transzendenten  
Wesen eine Rolle spielen, und keine "übernatürlichen" Prozesse ablaufen müssen und  
dennoch ID verwirklicht wird.   
 
 
siehe auch: Das Argument Nr. 1 gegen Intelligent-Design
 
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1*)  In: Kutschera, U. (Hg.): Kreationismus in Deutschland. Lit-Verlag, Münster, pp. 340-351
 
 
2*) Ein älterer Mann erteilte vor fast 2000 Jahren denjenigen, die eine Christianisierung mit Gewalt verhindern wollten, den  
folgenden Rat: "Und jetzt sage ich euch: Stehet ab von diesen Menschen und lasset sie, denn wenn dieser Rat oder dieses  
Werk aus Menschen ist, so wird es zu Grunde gehen; wenn es aber aus Gott ist, so werdet ihr sie nicht zu Grunde richten  
können, damit ihr nicht gar als solche erfunden werdet, die wider Gott streiten." (Zitat aus Apostelgeschichte 5 Vers 38 und  
39)
 
 
3*) Die Gemeinde der Wissenschaftler, die als Evolutions-Biologen forscht, ist allerdings sehr spezifisch orientiert. Es werden  
nur Forschungsprojekte eröffnet, die in irgend einer Form der Bestätigung der Evolutions-Theorie dienen könnten. Es ist der  
Ehrlichkeit der Wissenschaftler zu verdanken, wenn auch Argumente, die gegen die Evolution sprechen, veröffentlicht werden.