Religion
 

Die Geschichte der Religion scheint so alt wie die Geschichte des Menschen selbst. So  
sagen es die Archäologen und die Anthropologen. Sogar bei den „primitivsten"  
Völkern, das heißt bei den unentwickelten Kulturen, sind Beweise für bestimmte  
Formen der Anbetung zu finden. So schreibt die New Encyclopædia Britannica: „Soweit  
Gelehrte feststellen konnten, hat niemals und nirgendwo ein Volk existiert, das nicht  
in einem gewissen Sinne religiös war."

Neben ihrem hohen Alter zeichnet sich die Religion durch große Vielfalt aus. Jedes  
Volk der Erde hat seinen Gott oder seine Götter und seine Art, sie anzubeten: die  
Kopfjäger im Dschungel Borneos, die Eskimos in der Arktis, die Nomaden in der  
Sahara und auch die Städter in den Metropolen der Welt. Obwohl man geneinsame  
Merkmale aller Weltreligionen finden kann, sollte man auch nicht versuchen, die  
wesentlichen Unterschiede zu verwischen.

Woher stammen all die Religionen? Wieso ist die Religion ins Dasein gekommen, und  
wie?
 
Im Rahmen dieser Site sollen die obigen Fragen auch nicht annähernd erschöpfend  
beantwortet werden, jedoch sei darauf hingewiesen, dass die Religion in der  
Geschichte der Menschheit einen großen Stellenwert hatten. Religion ist eine  
Kategorie menschlichen Denkens, über die jeder Mensch verfügt und die er auch  
gebraucht. Auf dem ersten Blick scheint es so, als ob Atheisten diese Kategorie des  
menschlichen Denkens verwerfen, doch dem ist keineswegs so.
 
Abstrakt formuliert, half die Religion jeder Generation unserer Vorfahren, die  
komplexe Umwelt für den aktuellen Zeitraum hinreichend genau zu erklären. Und  
heute ist es überhaupt nicht anders: Jeder Zeitgenosse benutzt die selbe Kategorie  
menschlichen Denkens, um seine übermäßig komplexe Umwelt für sich verständlich zu  
machen. Ein Mensch, der unermüdlich bemüht wäre, alles was er sieht, bis ins Detail  
zu verstehen, würde schrecklich zugrunde gehen.   
 
Was geht dabei im Hirn vor? Es steht zunächst eine Frage zu einem bestimmten  
Objekt oder einem bestimmten Prozess, das oder den man zu ergründen sucht. Im  
zweiten Schritt versucht man mit den verfügbaren Mitteln der gespeicherten Daten  
(dem Faktenwissen) und den verfügbaren Mitteln des logischen Denkens auf Sinn und  
Zweck zu schließen oder die Funktion und Abläufe zu analysieren. Im dritten Schritt  
stellt sich spontan das Gefühl ein, die Fragestellung beantworten zu können (wenn  
auch mit erheblichen Aufwand) oder aber man fühlt sich absolut überfordert.
 
Fühlt man sich mit einer Fragestellung absolut überfordert, muss dennoch eine  
vorläufige Antwort erstellt werden. Hier tritt diese besondere Kategorie menschlichen  
Denkens in Kraft. Wir finden eine vorläufige Antwort für ein subjektiv empfundenes  
Phänomen. Dieser Denkvorgang ist natürlich stark bildungsspezifisch.
 
In den zurückliegenden Jahrtausenden, waren unsere Vorfahren regelrecht  
gezwungen, die meisten Fragen nach dem Woher und Warum "religiös" zu  
beantworten. Die Religion ist in diesem Sinne eine Reduktion der Wahrheit auf ein  
dem momentanen Bildungsstand angepasstes Erklärungsmodell. Hierbei müssen wir  
bedenken, dass wir Menschen besser leben können mit einem solchen angepassten  
Modell der Wahrheit als ohne Antworten auf unsere Fragen.
 
Die abstrakte Wissenschaft bemüht sich, ein auf Fakten gegründetes Weltbild zu  
erhalten. Der einzelne Wissenschaftler ist jedoch oft auf seine persönliche Sichtweise  
und Sichtweite beschränkt. Richard Dawkins betrachtet die Religion als ein Übel, von  
dem die Menschheit befreit werden muss und befindet sich damit viele Jahre nach  
Lenins Tod mit ihm in bester Gesellschaft, denn dieser betrachtete die Religion als  
"Opium für das Volk". Sicher hat die Religion enorme Schuld aufgehäuft, die niemand  
übersehen darf. Offenbar liegt es an dem oben beschriebenen Zusammenhang  
zwischen Objektivität und Bildungsstand der Menschheit, welche Weltanschauung  
(welche Religion) gerade "Mode" ist und auf welche Art und Weise sie missbraucht  
wird.
 
 
Rolf Spinnler schrieb in einem Aufsatz: "Das führt uns schließlich zur Frage, welche  
Folgen es für das menschliche Selbst- und Weltverhältnis hat, wenn wir uns das  
Weltbild von Dennett, Dawkins und Co. zu eigen machen. Wenn ich glaube, dass mein  
Leben aus einem blinden Prozess genetischer Variation und Selektion hervorgegangen  
ist, also keinen "Sinn" hat, dann verpflichtet es mich auch zu nichts. Wenn ich aber  
der Überzeugung bin, dass du und ich und wir alle so, wie wir sind, gewollt wurden,  
dann müssen und können wir die uns geschenkte Existenz als Aufgabe wahrnehmen  
und gestalten. Es macht also einen Unterschied, ob wir uns als Zufallsprodukt der  
Evolution oder als Ziel eines Schöpfungsakts verstehen. Eben deshalb muss weiter  
über den Darwinismus gestritten werden."
 
Stand 07/2010