Die Genesis des Alten Testaments

Sogenannter 2. Schöpfungsbericht



Oft wird der Text aus 1. Mose Kapitel 2 als zweiter Schöpfungsbericht bezeichnet.  
Doch diese Bezeichnung ist nicht nur falsch, sondern behindert das gesamte  
Verständnis der alten Texte. Gerade dieser irrtümlich als zweiter Schöpfungsbericht  
bezeichnete Text, erzeugt so viele Widersprüche und Fragen, wenn man ihn in der  
traditionell überkommenen Form interpretiert. Diese traditionelle (jahrtausend-alte)  
Interpretation ist insbesondere die Grundlage vieler Irrtümer der Kreationisten. Im  
Zusammenhang mit dem sogenannten 2. Schöpfungsbericht entstand in alter Zeit  
auch die irrtümliche Ansicht, die Menschheit sei keinesfalls älter als 6000 Jahre. Im  
Folgenden wird deutlich, dass diese Altersangabe von 6000 Jahren nur auf die  
Nachkommen einer besonderen menschlichen Rasse, die Adamiten, zutrifft.
 
Bereits der erste Satz des sogenannten zweiten Schöpfungsberichtes ["Es folgt die  
Fortsetzung der Geschichte von Himmel und Erde wie Gott sie geschaffen hat, als  
Jahwe Gott Himmel und Erde gemacht hatte"] ergibt keinen Sinn, wenn man davon  
ausgeht, dass die eigentliche Schöpfung der Erde hier nur aus einer anderen  
Perspektive beschrieben werde. Die Aufeinanderfolge der einzelnen Schöpfungen in  
Genesis Kapitel 2 kann so gut wie gar nicht mit dem 1.Kapitel der Genesis in Einklang  
gebracht werden. Im zweiten Kapitel der Genesis erfolgt die Schöpfung des Menschen  
vor der übrigen Schöpfung. Die Reihenfolge der Ereignisse passt an keiner einzigen  
Position des Textes zu der Reihenfolge im ersten Kapitel der Genesis - die Probleme  
mit dem Verständnis dieses Textes haben jedoch alle eine gemeinsame Ursache - die  
mangelhafte Beachtung der Überschrift oder die Unwissenheit über die Textgestaltung  
in der sehr frühen Zeit der Menschheit.  
 
 
Kapitel 2 ist die Fortsetzung des Schöpfungsberichtes
 
Beachtet man jedoch die Gliederung des Urtextes (durch Überschriften mit dem  
Schlüsselwort "Toledoth"), so ergibt sich ein widerspruchsfreier Text und eine klare  
textliche Aussage, die zudem auch mit wissenschaftlichen Fakten kompatibel ist.
 
Es folgt eine Synthese verschiedener Übersetzungen des 2. Kapitels der Genesis  
unter Beachtung des Kontextes von Genesis 1 und des Urtextes. Die ersten 3 Verse  
des 2. Kapitels sind, wie bereits ausgeführt,  kein Bestandteil des fortführenden  
Textes aus Kapitel 2. Das hebräische Wort "Toledoth" im Vers 4 des 2. Kapitels leitet  
diese Fortsetzung ein. Dieses Wort war in den alten Texten stets eine Überschrift  
über einem Dokument, das damals gewöhnlich eine Keilschrift war. Es leitete das  
Dokument ein und nennt die Fortsetzungen dessen, was mit Toledoth verknüpft ist -  
in diesem Fall also die Fortsetzung des Berichtes über die Erschaffung des Himmels  
und der Erde.
 
Hypothese nach A. Held und Rüst

Die folgende Darstellung bezieht sich auf Arbeiten der oben genannten Autoren:
Da im ersten Dokument (Genesis 1) bereits über die Erschaffung der Pflanzen, der  
Tiere und des Menschen berichtet wird, berichtet das zweite Dokument über ein ganz  
spezielles Geschehen, das sich irgendwann später (toledot = nachfolgend) abspielte.   
Es wird in dem Text darüber berichtet, dass ein bestimmter Mensch dafür zubereitet  
wird, in ein besonderes Verhältnis mit Gott zu treten. (Vielleicht war er zu diesem  
Zeitpunkt 70 Jahre alt, denn so ließ sich erklären, dass er im übertragenem Sinn am  
selben "Tag" stirbt, an dem er das Gesetzes Gottes übertreten hatte - im realen Alter  
von tausend Jahren.) Dieser auserwählte Mensch wird von Gott in einem geschützten  
Park angesiedelt und soll diesen bearbeiten und bewachen. Das hebräische Wort für  
das Ansiedeln Adams in diesem umzäunten Park hat die Bedeutung von "setzen,  
stellen, einsetzen, regieren lassen, einen Ort besetzen lassen, wohnen lassen", was  
in jedem Fall anzeigt, dass Adam nicht innerhalb des Gebietes von Eden ins Dasein  
gekommen war, sondern außerhalb.
 
Die übrige Menschheit kannte offenbar bis zu diesem Zeitpunkt die Eheschließung und  
Gründung einer dauerhaften Ehe-Gemeinschaft noch nicht. Der Text bemerkt im Vers  
24, dass Adam Vater und Mutter verlässt, weil er eine eheliche Verbindung  
eingegangen ist. Daraus kann geschlossen werden, dass Adam aus eigener Erfahrung  
wohl die Familienstruktur bereits kannte, es jedoch üblich war, in Großfamilien  
zusammenzuleben und quasi bei dem Vater und der Mutter zu bleiben. Das bestätigt  
den Gedanken, dass die allgemeine Menschheit zu dieser Zeit bereits entwickelt war.
 
Die Entstehung Adams wird im Text besonders hervorgehoben: "Dann bildete Jahwe  
Gott den Adam...". Entscheidend für das Verständnis dieses Satzes ist das hebräische  
Verb für die Tätigkeit Gottes: er "bildete" den Adam. Dieses Verb steht nicht für eine  
völlig neue Schöpfung, sondern für eine "Bildung" - vielleicht im wahrstem Sinne des  
Wortes. Demnach würde der Bibeltext hier von der besonderen Berufung eines Mannes  
im reifen Alter sprechen. Adam könnte jedoch auch ein neuer Mensch gewesen sein, der  
eventuell im Unterschied zur bereits etablierten Menschheit nicht durch eine natürliche  
Geburt bzw. Zeugung entstand, sondern von Jawe aus den Elementen der Erde  
synthetisch hervorgebracht wurde (quasi ein Retorten-Mensch). Der hebräische Text  
unterscheidet hier deutlich zwischen der  Erschaffung  Adams und der  Schöpfung  der  
Menschheit im ersten Kapitel, wo ausdrücklich das hebräische Verb  bara  eingesetzt  
wurde, um ein Schöpfungswerk zu bezeichnen, das nicht nur auf den Bauplänen der  
evolvierten Prototypen im Tierreich beruhte. Bei der Schöpfung Adams wird dieses  
besondere Verb nicht eingesetzt, was darauf hinweist, dass der Mensch Adam ein  
hohes Maß an Verwandschaft zur damals bestehenden Menschheit hatte.  
 
Dennoch muss es auch relevante Unterschiede im Vergleich mit den Prä-Adamiten  
gegeben haben, über die jedoch in den Bibeltexten kein Aufschluss gegeben wird. In  
ähnlicher Weise wird auch die Entstehung der Frau Adams besonders hervorgehoben.  
Erwähnt wird ein synthetischer Prozess, der mit der Rippen-DNA des Adam gesteuert  
wurde. Ob dabei eine bereits vorhandenen Frau modifiziert wurde oder eine völlig neue  
Frau ins Dasein kam, bleibt offen.
 
 
Weitere Ereignisse im Rahmen der Toledoth
 
Besonders interessant ist der weitere Teil dieser Toledoth, der im Kapitel 4 des  
1.Buches Mose zu finden ist. Dort erkennt der aufmerksame Leser, dass dieser Bericht  
über die Nachfolgenden Adams, auch der ersten Generation nach ihm, über eine Zeit  
berichtet, die auf eine bereits entwickelte Geschichte der allgemeinen Menschheit  
schließen lässt, die viel weiter zurückreichen muss als nur ein Jahrtausend.
 
Hier folgt dieser Teil der Toledoth Adams mit Hervorhebungen einiger Wörter, die auf  
diese bereits entwickelte Menschheit hinweisen:
Kapitel  4

(1) Adam hatte auch mit seiner Frau Eva geschlafen. Nun wurde sie  
schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: "Ich habe einen Mann erworben,  
den Jahwe." (2) Danach bekam sie seinen Bruder, den Abel. Abel wurde ein  
Schafhirt, Kain ein Landwirt.
(3) Nach geraumer Zeit brachte Kain vom Ertrag seines Feldes Jahwe ein  
Opfer.
(4) Auch Abel brachte ihm ein Opfer, das Beste von den erstgeborenen  
Lämmern seiner Herde. Jahwe sah freundlich auf Abel und sein Opfer. (5)  
Aber auf Kain und seine Opfergabe achtete er nicht. Da geriet Kain in  
heftigen Zorn und senkte finster sein Gesicht. (6) Jahwe fragte ihn:  
"Warum bist du so zornig? Was soll dein finsterer Blick? Hast du Gutes im  
Sinn, dann heb den Kopf hoch! (7) Wenn aber nicht, dann lauert die Sünde  
vor der Tür und will dich verschlingen. Aber du, du musst sie bezwingen."
(8) Doch Kain sprach seinen Bruder an. Und als sie auf dem Feld waren, fiel  
er über Abel her und schlug ihn tot. (9) Da sagte Jahwe zu Kain: "Wo ist  
Abel, dein Bruder?" Der entgegnete: "Ich weiß nicht. Bin ich etwa sein  
Aufpasser?" - "Was hast du da getan!", erwiderte Gott, (10) "Hörst du nicht  
das Blut deines Bruders aus dem Ackerboden zu mir schreien? (11)  
Verflucht seiest du, verbannt vom Ackerboden, den du mit dem Blut deines  
Bruders getränkt hast! (12) Wenn du ihn künftig bebaust, wird er dir keinen  
Ertrag mehr bringen. Als ruheloser Flüchtling wirst du auf der Erde  
umherirren."
(13) Da sagte Kain zu Jahwe: "Die Strafe ist zu schwer für mich. Ich werde  
sie nicht ertragen können. (14) Du vertreibst mich vom fruchtbaren Land,  
und auch vor dir muss ich mich verstecken. Als ruheloser Flüchtling werde  
ich umherirren, und jeder, der mich sieht, kann mich ungestraft töten."
(15) "Nein", erwiderte Jahwe, "ich ordne an: Wer Kain erschlägt, wird  
siebenfach bestraft!" Und er machte ein Zeichen an Kain, damit niemand  
es wagen würde, ihn zu erschlagen, wenn er ihm begegnete.
(16) So verließ Kain die Nähe Jahwes und siedelte sich östlich von Eden an,  
im Land der Heimatlosigkeit, in Nod.
(17) Auch Kain schlief mit seiner Frau. Nun wurde sie schwanger und gebar  
Henoch. Als Kain dann eine Stadt gründete, benannte er sie nach seinem  
Sohn Henoch. (18) Dem Henoch wurde dann Irad geboren. Irad zeugte  
Mehujael und der wiederum Metuschael. Metuschael wurde der Vater von  
Lamech.  
(19) Lamech aber nahm sich zwei Frauen: Eine hieß Ada, die andere Zilla.  
(20) Ada gebar ihm Jabal. Das wurde der Stammvater aller Nomaden, die in  
Zelten wohnen und mit ihren Herden umherziehen.
(21) Sein Bruder hieß Jubal. Er wurde der Stammvater aller Zither- und  
Flötenspieler.
(22) Auch Zilla bekam einen Sohn, Tubal-Kain, den Schmied. Er war der  
erste, der Kupfer und Eisen bearbeitete. Seine Schwester hieß Naama.
(23) Lamech sagte zu seinen Frauen: "Ada und Zilla, hört meine Rede!  
Lamechs Frauen, lauscht meinem Spruch! Ich habe den Mann erschlagen,  
der mich verwundet hat, und den Jungen getötet, der mich berührte. (24)  
Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach!"
(25) Nachdem Adam wieder mit seiner Frau Eva geschlafen hatte, gebar sie  
ihm einen Sohn und nannte ihn Seth, Setzling. "Gott hat mir wieder einen  
Sprössling geschenkt", sagte sie, "anstelle von Abel, weil Kain ihn  
erschlug."
(26) Auch Seth wurde ein Sohn geboren. Enosch, Menschlein, nannte er ihn.  
Damals fing man an, den Namen Jahwes anzurufen.
Der Text dieser "Toledoth" geht bis Kapitel 4 Vers 26. Danach beginnt eine andere "Toledoth".
Entweder wurde der obige Text völlig frei erfunden, oder aber wir müssen zur Kenntnis
nehmen, dass die Menschen damals (also wenige Jahrhunderte nach Adams Erschaffung) 
bereits wussten, was eine "Stadt" ist und dass sie von "Kupfer und Eisen" Kenntnis hatten
und dass der Beruf "Schmied" allgemein bekannt war. Man muss sogar den Bau von Musik-
Instrumenten in die ersten Jahrhunderte nach Adams Erschaffung verlegen, wenn man
diesen Text aus Genesis Kapitel 4 als historisch echt einstuft.

Es bleibt natürlich jedem Leser überlassen, ob er alle Probleme in Kauf nimmt, nur um der
konventionellen Ansicht anzuhängen, dass Adam der allererste Mensch gewesen sei, der
geschaffen ("gebildet" siehe oben) worden war. Wenn man die Genesis-Urkunden als
zuverlässige Zeugen betrachten will, so gibt es offenbar nur eine Lösung, um alle
Probleme aufzulösen: Die Erschaffung der Menschheit (Prä-Adamiten) wird in den
sogenannten 1. Schöpfungs-Bericht eingeordnet und die "Bildung" der Adamiten wird im
Kapitel 2 der Genesis  berichtet.
 


Freie Übersetzung:   ab Kapitel 2 Vers 4
 
Der erste Vers des Dokumentes (entsprechend der heutigen Versteilung ist  
es Vers 4) lautet:
 
 
(4) Es folgt die Fortsetzung der Geschichte (toledot)  von Himmel und Erde
wie Gott sie geschaffen hat, als Jahwe Gott Himmel und Erde gemacht  
hatte.
(5) Es gab in jenem Gebiet zunächst weder Sträucher noch Feldpflanzen,  
denn Jahwe Gott hatte es dort noch nicht regnen lassen. Es gab dort auch  
noch keine Menschen, die dieses Land hätten bearbeiten können. (6) Aber  
Grundwasser stieg in der Erde auf und befeuchtete den Boden.
(7) Dann bildete Jahwe Gott den Adam aus Elementen der Erde und hauchte  
Lebensatem in seine Nase. So wurde Adam ein lebendes Wesen.  (8) Jahwe  
Gott hatte im Osten von Eden bereits einen umzäunten Park angelegt.  
Dorthin versetzte er den von ihm gebildeten Menschen. (9) Dort hatte  
Jahwe Gott ganz verschiedenartige Bäume aus dem Erdboden wachsen  
lassen. Sie sahen prachtvoll aus und trugen wohlschmeckende Früchte.  
Mitten im umzäunten Park stannd der Baum des Lebens und der Baum, der  
Gut und Böse erkennen ließ.
(10) In Eden entsprang auch ein Strom, der das Gehege bewässerte und  
sich dann in vier Arme aufteilte.
(11) Der erste davon heißt Pischon. Er umfließt das ganze Land Hawila, wo  
das Gold vorkommt (12) das Gold, das besonders rein ist - auch das  
Bedolach-Harz und der Schoham-Stein.
(13) Der zweite Strom heißt Gihon. Er umfließt das Land Kusch.
(14) Der dritte Strom heißt Tigris. Er fließt östlich von Assyrien. Der vierte  
Strom ist der Euphrat.
(15) Jahwe Gott brachte also Adam in den Park in Eden, damit er diesen  
bearbeite und beschütze, (16) und wies ihn an: "Von allen Bäumen im Park  
darfst du nach Belieben essen, (17) nur nicht von dem Baum, der dich Gut  
und Böse erkennen lässt. Sobald du davon isst, musst du sterben."
(18) Dann sagte Jahwe Gott: "Es ist nicht gut, dass Adam hier so allein ist.  
Ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm genau entspricht." (19) Jahwe  
Gott, hatte nämlich alle Landtiere und Vögel, die er früher aus den  
Elementen der Erde gebildet hatte, zu Adam gebracht, um zu sehen, wie er  
sie nennen würde. Genau so sollten die Lebewesen schleißlich heißen. (20)  
So gab Adam dem Herdenvieh, den Vögeln und allen Landtieren Namen.  
Aber für sich selbst hatte er nichts gefunden, was ihm als Hilfe entsprochen  
hätte.
(21) Da ließ Jahwe Gott einen Tiefschlaf über Adam kommen. Er entnahm  
ihm eine seiner Rippen und verschloss die Stelle mit Fleisch. (22) Aus der  
Rippe replizierte er eine Frau und brachte sie zum Menschen. (23) Da rief   
Adam: "Diesmal ist sie es! Sie ist genau wie ich, und sie gehört zu mir - sie  
ist ein Stück von mir."
(24) Aus diesem Grund verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter,  
verbindet sich mit seiner Frau und wird völlig eins mit ihr. (25) Der Mann  
und seine Frau waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.