Evolution und Evolutions-Theorie
(2011/10)  


Der Begriff Evolutions-Theorie wird heute als Bezeichnung für die allgemeingültig  
anerkannte Theorie angewandt, nach der die Lebensformen auf unserer Erde alle von  
einander abstammen, durch Evolution entstanden seien (1*) und diversierten. Diese  
Theorie ist jedoch nach wie vor umstritten und der Streit wird wohl noch intensiver  
werden, wenn die Wirkungsweise des genetischen Systems weiter aufgeklärt wird.  
Allerdings ist die Evolutionstheorie inzwischen so weit entwickelt worden, dass man sie  
nicht mehr widerlegen kann. Aber nicht etwa weil diese richtig wäre, sondern weil sie so  
umfassend  flexibel gehalten wird und auf alle Differgenzen zwischen Theorie und Praxis  
angepasst werden kann (2*). Aus der entwickelten Situation der "Nichtwiderlegbarkeit"  
der Evolutionstheorie folgt allerdings auch, dass sie nicht mehr den von Naturalisten  
geforderten Falsifikationskriterien einer wissenschaftlichen Aussage entspricht. Und  
nicht zuletzt hat eine Theorie, die nicht (mehr) falsifizierbar ist, keinen  
wissenschaftlichen Wert.

Das Grundproblem dieser Theorie ist heute, dass im Rahmen der Intelligent-Design-
Theorie ebenfalls Evolution als ein wesentlicher Bestandteil gilt. Allerdings ist in dieser  
Theorie die Fähigkeit zur Evolution eine Fähigkeit, die im Grundkonzept des Designers  
fest verankert ist. Die Evolutionstheorie geht davon aus, dass die Fähigkeit eines  
Lebewesens zu evolvieren einfach vorhanden sei, weil wir es so beobachten. In  
Wirklichkeit jedoch sind so viele einzelne Bestandteile und Systeme in jeder Zelle  
notwendig ohne die Evolution gar nicht möglich wäre. Mit anderen Worten, ein System  
ist erst ab einem gewissen Organisationsgrad evolvierbar - unterhalb dieser Komplexität  
kann das System grundsätzlich nur zerfallen.
 
Darwins Evolutionstheorie kann als eine Reaktion auf die fundamentalistische  
Lehrmeinung der Kirchen gesehen werden, die über Jahrhunderte hinweg mit  
Bevormundung und Autorität durchgesetzt worden war. Aber auch standen alle Signale  
der Aufklärung auf grün und die allgemeine Ansicht war bereits verbreitet, das Wesen  
der Natur auf physikalische Ursachen zurück zu führen anstatt auf übernatürliche Kräfte.  
Doch wie so oft, steuerte man auch hier von einem Extrem ins andere: von den Dogmen  
der wörtlichen Bibelauslegung zum naturalistischen Darwinismus. Die Zeit der  
sogenannten Aufklärung kam nun zu voller Blüte und von da an galt alles, was nicht in  
das naturalistische Konzept passt, als unwissenschaftlich und somit als nicht  
akzeptabel. Darwin selbst hat seine Theorie dem Glauben an eine Schöpfung, wie sie in  
jenen Tagen in den Kirchen gelehrt wurde, gegenüber gestellt und sogar Vermutungen  
über die Abstammung des Menschen von Primaten geäußert. Der englische Hobby-
Zoologe Henry Huxley und der deutsche Zoologe Ernst Haeckel haben zur Ausbreitung  
dieser Theorie maßgeblich beigetragen.
 
Unter Neodarwinismus versteht man eine Weiterentwicklung der darwinistischen  
Abstammungslehre, wonach in erster Linie die Selektion für die Evolution entscheidend  
ist. Diese Selektion setzt die genetische Vielfalt der Populationen voraus, wobei diese  
Vielfalt durch zufällige Rekombination der Gene bei der sexuellen Fortpflanzung  
entsteht, sowie durch Chromosomen-Mutation oder durch Genmutation. Der Begriff  
Neodarwinismus wird oft auch als Synonym für die Synthetische Evolutionstheorie  
gebraucht.
 
Die Evolutions-Theorie wird gegenwärtig als Tatsache hingestellt (3*), da sich am  
Grundaufbau der Theorie nichts mehr ändern könne und nur noch Detailfragen  
wissenschaftlich geklärt werden müssten. In fast allen Länderen der Welt wird diese  
Theorie an den staatlichen Bildungseinrichtungen gelehrt. Zunehmend mehr Menschen  
bekennen sich laut Umfragen zu den Grundaussagen der Evolutions-Theorie. Dennoch  
muss bezweifelt werden, dass solche Bekenntnisse auf abstrakten Wissen und  
Verstehen beruhen und nicht vielmehr auf dem Wunsch der ideologischen Abkehr von  
jeder Religion bzw. ähnlich emotionalen Motivationen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, lassen sich aber wie folgt zusammenfassen:

1. Die Evolutionstheorie ist so komplex, dass nur ganz wenige Experten diese wirklich kennen
2. Diese Theorie beschreibt historische Ereignisse, die nie überprüft werden könnten
3. Diese Theorie beruht nicht durchgängig auf gleichhohem Niveau von beweisfähigen Daten
4. Die auf Fakten beruhende Beweise werden auch in der ID-Theorie als Beweise benutzt

 
Daraus folgt in erster Konsequenz, dass die Annahme dieser Theorie für Laien streng  
genommen ein religiöser Akt ist. Aber auch Schüler und Studenten sind kaum in der  
Lage, diese Theorie derart umfassend wissenschaftlich untersetzt zu verinnerlichen, so  
dass auch für sie relevante Glaubenssätze stehen bleiben, die eigentlich ins Reich der  
Religion gehören.

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1*) Die Entstehung des ersten Lebens wird natürlich nicht im Rahmen der Entwicklungs-Theorie erklärt. Für die  
Evolutionstheorie ist jedoch eine Theorie über die Selbstentstehung des Lebens eine unabdingbare  
Voraussetzung. Sollte es nämlich dafür keine Theorie geben, so wären selbstredend alle Erklärungen im Rahmen  
der naturalistischen Evolutionstheorie in Frage zu stellen (die Evolutionstheorie der ID-Theoretiker wäre davon  
nicht betroffen). Die Wissenschaft, die sich mit der Selbstentstehung von Leben befasst und danach sucht,  
welche Prozesse dafür erforderlich wären, ist nicht die Biologie sondern die Chemie und Bio-Chemie. Zur Zeit  
gibt es jedoch absolut keine testbaren Hypothesen über den Komplex von Prozessen und Prozessbedingungen,  
der zur Entstehung des ersten Lebens erforderlich gewesen sein könnte.
 
2*) "dieses naturwissenschaftliche Konzept ist ein offenes System, welches ständig durch neue  
Forschungsergebnisse modifiziert, ergänzt und erweitert wird. (Kutschera - Evolutionsbiologie S.49) Eine  
Rezension dieses Buches findet man hier.
 
3*) Der Titel eines Buches von U. Kutschera heißt "Tatsache Evolution" erschienen 2009 im Taschenbuch  
Verlag GmbH München - Diese Formulierung ist rein wissenschaftlich korrekt, doch die Allgemeinheit ist  
praktisch aufgefordert, aus dieser Formulierung der meist falschen Intuition zu folgen.